Bis der TÜV uns scheidet…

TÜV ist nicht gleich TÜV, denn den einen Technischen Überwachungsverein gibt es nicht mehr, dafür aber diverse TÜV Sowieso, die miteinander im Wettbewerb stehen. Auch von Organisationen wie DEKRA, der GTÜ (Gesellschaft für Technische Überwachung) und der KÜS (Kraftfahrzeug-Überwachungs­organisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger) die HU und AU durchgeführt werden.  Einzelabnahmen sind in den alten Bundesländern tatsächlich reine TÜV-Sache, in den neuen Bundesländern erledigt das DEKRA.  Die Eintragung von Bauteilen mit ABE oder Teilegutachten dürfen aber auch alle anderen Prüfdienste erledigen.


Hauptuntersuchung (HU)
Motorräder müssen – auch, wenn es sich um Neufahrzeuge handelt – alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung. Wann der nächste Termin ansteht, geht aus den Fahrzeugpapieren hervor. Und wer sich die Plakette auf dem Kennzeichen anschaut, weiß ebenfalls, wann es so weit ist. Wer vor dem Prüftermin die wichtigsten Kriterien selbst checkt (siehe nebenstehende Liste), sollte vor unliebsamen Überraschungen sicher sein. Denn bei erheblichen, weil sicherheitsrelevanten Mängeln, gibt’s keine neue Plakette. GERINGE MÄNGEL wie beispielsweise eine zu lockere Kette oder eine defekte Instrumentenbeleuchtung werden meist mit dem Hinweis toleriert, dass der Schaden umgehend zu beheben ist. Nachuntersuchung: Wenn es doch mal beim ersten Anlauf nichts mit einer Plakette war, weil vielleicht ein abgefahrener Reifen, eine unzulässige Auspuff­anlage oder ein loses Lenkkopflager vom Prüfer als ERHEBLICHER MANGEL eingestuft wurden, dann hat der Fahrzeugbesitzer einen Monat Zeit, um die Mängel zu beseitigen. Zusammen mit dem Prüfbericht sollte er innerhalb dieser Frist zur Nachuntersuchung, bei der in erster Linie die Mängelbehebung interessiert. Wer länger als einen Monat wartet, muss erneut eine komplette HU inklusive der vollen Kosten über sich ergehen lassen. Und da die Plakette ohnehin auf den offiziellen Termin rückdatiert wird, nutzt die Verzögerungstaktik kein bisschen – das gilt auch für den ersten HU-Anlauf.


Checkliste für HU-Vorbereitung
Beleuchtung Sämtliche Lampen müssen voll funktionsfähig und ihre Gehäuse unbeschädigt sein. Instrumenten- und die Kennzeichenbeleuchtung nicht vergessen.

Bremsen Funktion? Zustand von Bremsscheiben (Riefen, abgenutzt) und Bremsleitungen (dicht)? Beläge verschlissen? Außerdem Bremslichtschalter vorn und hinten kontrollieren.

Lenkung Funktioniert das Lenkerschloss? Lenker von Anschlag zu Anschlag leichtgängig ohne spürbare Rastpunkte? Kein Lagerspiel spürbar?

Reifen Stimmen Reifengröße und -bezeichnung mit den Angaben in den Fahrzeugpapieren überein beziehungsweise gibt es eine Unbedenklichkeits-bescheinigung für die Reifenpaarung? Ausreichend Profiltiefe vorhanden (mindestens 1,6 Millimeter)? Stimmt die Laufrichtung? Reifenoberfläche frei von Rissen, Beulen oder Schnitten?

Sonstiges Funktionieren Tacho und Hupe? Motor, Getriebe, Kühlleitungen dicht (Öl oder Kühlflüssigkeitslecks)? Federbein(e) und Gabelrohre funktionsfähig und dicht? Seiten- und Hauptständer in Fahrstellung gesichert bzw. Zündunterbrechung ok? Motor-Aus-(Kill-)Schalter?

TÜV Süd – Hauptuntersuchung – Die Checkliste für Ihr Motorrad


Abgasuntersuchung für Krafträder (AUK)
Krafträder, die nach dem 1. Januar 1989 erstmals zugelassen wurden, müssen seit April 2006 alle zwei Jahre zur AUK, die wiederum seit Januar 2010 Teil der Hauptuntersuchung ist.  Der Gesetzgeber schreibt als Maximum für den CO-Ausstoß (Kohlenmonoxid) bei Kraft­rädern ohne Katalysator 4,5 Volumen-Prozent und bei Modellen mit geregeltem Katalysator 0,3 Volumen-Prozent vor.  Allerdings können die Fahrzeughersteller EIGENE GRENZWERTE festlegen.  Motorräder, die technisch in Ordnung sind, sollten keine Probleme mit den Grenzwerten bekommen.  Dennoch lohnt es, vor der Fahrt zur Prüfstelle einige Punkte selbst zu kontrollieren.


Tips für die AUK
Ansaugstutzen Nicht richtig sitzende oder poröse Exemplare saugen Luft an und beeinflussen die Abgaswerte. Hier helfen nur Festziehen, Abdichten oder Austausch.

Luftfilter Um tadellose Funktion zu gewährleisten, das Filterelement vor der Abgasuntersuchung begutachten, eventuell reinigen.

Zündkerzen Verschmutzte oder verschlissene Kerzen reinigen beziehungsweise gegen neue Kerzen mit dem vorgeschriebenen Wärmewert (siehe Handbuch) ersetzen.

Sonstiges Auch Steuerzeiten, Zündung und Ventilspiel beeinflussen das Abgasverhalten, lassen sich jedoch bei modernen, mit Elektronik vollgestopften Motoren – bis auf das Ventilspiel – von Hobbyschraubern nicht mehr einstellen oder überprüfen.

Geheimtipp Ausgiebiges Warmfahren. Am besten absolviert man vor dem Prüftermin einige Kilometer auf Autobahn oder Schnellstraße bei mittleren bis hohen Drehzahlen, damit Brennräume, Ansaug- und Abgaswege freigeblasen werden.


Eintragung /  Betriebserlaubnis / Eintragungspflichtig
Bauteile oder Baugruppen, für die eine ABE oder ein Teilegutachten erforderlich ist und die in die Papiere eingetragen werden müssen. Ausnahme: Wird die ABE mitgeführt, ist der Eintrag nicht zwingend.

Ansaugstutzen, Bremsarmatur, Bremsbeläge, Bremsflüssigkeitsbehälter, Bremshebel, Bremsleitungen, Bremspedal, Bremspumpe, Bremsscheibe, Bremszange, Cockpitverkleidung, Fahrwerkshöherlegung, Fahrwerkstieferlegung, Federbein(e), Felgen, Fußrastenanlage, Gabel, Gabelbrücke, Gabelfedern, Gabelstabilisator, Getriebeabstufung, Hauptbremszylinder, Hauptständer, Heckhöherlegung, Hecktieferlegung, Heckverkleidung, Hinterradabdeckung, Kettenrad (bei nicht identischer Zähnezahl), Kotflügel, Krümmer (nur wenn sich Rohrführung oder Querschnitt ändern), Lampenmaske, Lenker, Lenkerenden-Blinker (bei aktuellen Motorrädern nur in Verbindung mit hinterem Blinkerpaar), Lenker-Klemmböcke (Riser), Lenkungsdämpfer, Luftfilter, Luftfiltereinsatz (bei verändertem Luftdurchsatz), Luftfilterkasten, Reifen (bei Dimensionsänderung), Ritzel (bei nicht identischer Zähnezahl), Schwinge, Seitenständer, Sekundär-Übersetzung, Sitzbank (bei massiven Veränderungen der Abmessungen), Soziushaltegriffe, Tachometer, Tank, Vergaser, Vergaser-Bedüsung, Verkleidung, Verkleidungskiel, Verkleidungsscheibe


Bauartgenehmigung eintragungspflichtig
Anhängerkupplung


Eintragungspflichtig per Einzelabnahme
Heckrahmen kürzen, Rahmen polieren (nur nach vorheriger Absprache mit Sachverständigem)


Eintragungsfrei
Bauteile oder Baugruppen, die nicht in die Papiere eingetragen werden müssen und weder Teilegutachten, noch ABE oder EG-BE benötigen.

Batterie, Bordsteckdose, Drehzahlmesser, Gabelprotektoren, Gaszug, Gehäusedeckel, Gepäckträger (sofern keine maßgebliche Veränderung am Fahrzeug), Griffgummis, Handschalen/-protektoren, Heizgriffe,  Kerzenstecker (muss Spezifikationen bezüglich Funkentstörung entsprechen), Kettenrad (bei identischer Zähnezahl), Kickstarter, Kühlwasserschläuche, Kupplungsarmatur, Kupplungsflüssigkeitsbehälter, Kupplungshebel,Luftfiltereinsatz (bei unverändertem Luftdurchsatz),Motorschutzwanne, Navigationsgerät, Öltemperatur-Direktmesser, Rahmen lackieren, Rahmenschützer Sturzpads, Ritzel (bei identischer Zähnezahl), Sitzbank (unter Beibehaltung der Originallänge / Haltevorrichtung für Sozius beachten), Suchscheinwerfer (darf nicht während der Fahrt benutzt werden), Vibrationsdämpfer (an Lenkerenden), Warnblinkanlage, Zündkerzen (müssen Spezifika­tionen bezüglich Funkentstörung entsprechen),


Bauartengenehmigung Eintragungsfrei 
Teile, die mit einem EG- oder ECE-Prüfzeichen versehen sind und nicht in die Papiere eingetragen werden müssen.

Blinker, Glühlampen, Hupe, Kennzeichenbeleuchtung, Miniblinker, Nebelscheinwerfer, Rücklicht, Rückstrahler (Winkel senkrecht  zur Fahrbahn beachten), Scheinwerfer, Spiegel, Zusatzscheinwerfer


Sonderfälle
Die folgenden Bauteile sind streng genommen ein Fall für eine ABE, was in der Praxis allerdings nicht angewendet wird – daher: eintragungsfrei.

Alarmanlage, Benzinfilter, Benzinleitung, Benzinleitung-Schnellkupplung, Bremsscheibenabdeckung, Heckinnenkotflügel, Kennzeichenhalter, Kettenschutz, Kühlergrill, Schutzbügel, Soziusabdeckung


EG-BE erforderlich
Schalldämpfer,KAT,
KAT-Problematik: Müssen Nachrüstdämpfer mit EG-BE einen Kat besitzen, wenn auch der Serientopf einen aufweist?
Alle ab 2006 nach Euro 3 homologierten Motorräder, die serienmäßig einen Kat besitzen, dürfen nur auf einen Nachrüstdämpfer mit Kat umgerüstet werden. Anders sieht es mit älteren, beispielsweise nach Euro 2 zugelassenen Motorrädern aus. Selbst wenn sie serienmäßig mit Kat ausgestattet sind, dürfen Nachrüstdämpfer ohne Kat angebaut werden. Allerdings nur, wenn diese vor dem 18. Mai 2006 eine EG-Betriebserlaubnis erhalten haben. Wenn dann bei der HU der für das Motorrad (vom Hersteller) vorgegebene Wert überschritten werden sollte, gibt’s lediglich einen entsprechenden Vermerk im Prüfbericht. Zumindest sollten zwischenzeitlich alle Überwachungsvereine entsprechend instruiert worden sein.

 

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